Kinder sehen Kunst: Malin Gabriella Nordins “Private Language”-Projekt

mgk_matilda_portrait2Die Welt von Malin Gabriella Nordin ist bunt. Ihre Arbeiten – Zeichnungen, Collagen, Skulpturen – erscheinen naiv und surreal, sie entstehen intuitiv und spontan, Fragmente aus Erinnerung und Unbewusstem. Es ist leicht zu erkennen, dass die junge Künstlerin aus Stockholm fasziniert ist von der magischen Welt der kindlichen Vorstellung.

2012 lädt sie für ihr Projekt “Private Language” Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren ein, an ihrem künstlerischen Prozess mitzuwirken.

Sie trifft elf Kinder, jeweils einzeln für eine Stunde und bespricht mit ihnen eine Auswahl ihrer Skulpturen. Sie fragt unter anderem, wie die abstrakten Objekte für sie aussehen, ob sie eine Geschichte damit verbinden, ob etwas fehlt und ob sie das fehlende zeichnen können. “Viele von ihnen hatten Angst, etwas falsch zu machen und trauten sich nicht, mir zu sagen, was sie denken. Ein Junge, Buster, der mit seiner Mutter oft in Museen geht, war in der Lage, mir seine Gedanken und Einschätzungen zu nennen. Aber man konnte schnell diejenigen ausmachen, die nur mit ihren iPhones spielen, denn sie waren nicht offen genug, meine Skulpturen zu interpretieren.”

Nordin fragt auch, ob ihre Arbeiten in der richtigen Anordnung stehen und bittet die Kinder, sie nach ihrem Empfinden neu zu arrangieren. “Die meisten der Kinder sahen in meinen Arbeiten Essen oder Alltagsgegenstände, wie Bananen, Würstchen oder auch ein Treppenhaus, das war ein bißchen enttäuschend für mich! (lacht) Ich dachte ihre Interpretationen würden verrückter und abstrakter werden. Aber als ich sie fragte, ob die Objekte in der richtigen Anordnung stehen oder ob sie sie umstellen könnten, sind alle aufgestanden und haben die Skulpturen hin und her bewegt – auch die, die mir nichts dazu sagen wollten. Sie waren sich so sicher darüber, sie wußten genau, wo welches Objekt stehen soll. Noch etwas, meine Arbeiten sind auf einer Seite bemalt und auf der anderen nicht – ich dachte, die Kinder würden mich fragen warum, aber keines tat das. Ich dachte, sie wären kritischer, jemand würde sagen ‘Das ist hässlich.'”

Trotz dieser desillusionierenden Momente sieht Nordin auch die kindliche Unvoreingenommenheit, die sie gesucht hat: “Vor jeglicher Beurteilung von ‘schön’ oder ‘hässlich’, vor jeglicher Akzeptanz oder Zurückweisung (offiziell oder privat) zeigen die Kinder darin ihre Art, die Welt zu erfahren. In dieser Welt haben die Objekte eine Seele, sie haben Persönlichkeiten, sie interagieren miteinander.”

Die Künstlerin zeichnet die Gespräche auf und arbeitet mit den Antworten der Kinder und den Zeichnungen der “fehlenden” Teile. 2014 erscheint ein Buch über das Projekt, gestaltet vom tollen Stockholmer Grafikbüro Museum Studio.

“Das Treffen mit ihnen war ein Weg, mich weiter zu entwickeln, indem ich ihre Gedanken und Vorstellungen mit einfließen lasse, was wirklich inspirierend für mich war. Alles begann damit, dass ich freier arbeiten wollte, diese Selbstzensur loswerden und mir selbst erlauben wollte, Fehler zu machen und neue Wege zum Unvorhersehbaren zu finden, der Arbeit, und letztlich mir, komplett zu vertrauen. Dieses Projekt hat mich sehr viel offener gemacht.”


Sehr lustige Auszüge aus den Gesprächen mit den Kindern (auf englisch) kann man im Interview des Magazins Sight Unseen finden, der zusammen mit dem Bericht von It’s Nice That die Quelle für diesen Beitrag ist.

Foto: Emilia Bergmark-Jiménez